Die Auftaktveranstaltung der NIBRA Zukunftsgespräche widmete sich am 29. September 2026 in der Vienna Grand Gallery dem Thema „Green Building im Wohnbau: Neubau, Sanierung, Leistbarkeit und Betrieb im Zusammenspiel“.
„Die Zukunft des Bauens liegt im ganzheitlichen Denken: Wenn Planung, Bau und Betrieb als Einheit verstanden werden, entstehen Gebäude, die wirtschaftlich überzeugen, nachhaltig wirken und langfristig zuverlässig funktionieren.“ Gastgeber Nikolaus Brada, Inhaber der Firma NIBRA, setzte damit den Rahmen für das erste NIBRA Zukunftsgespräch. Hochkarätige Podiumsgäste diskutierten an diesem Abend, wie es gelingen kann, leistbaren Wohnraum, steigende Baukosten, Sanierungsbedarf, Klimaziele und Betriebsqualität gemeinsam zu denken, ergänzt von der Frage der Finanzierung.
Dr. Claudia Brey, Geschäftsführerin ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, stellte einige spannende Projekte vor, die auf Baugründen der ÖBB entstanden sind. Diese wurden verfügbar, weil die Anforderungen an die Bahn sich in den letzten Jahren stark verändert haben. Damit konnten neue Stadtquartiere z.B. im Sonnwendviertel, am Nordbahnhof und ehemaligen Nordwestbahnhof entstehen, die auch seitens der ÖBB den Anforderungen der Bewohner*innen hinsichtlich Bildungsangeboten, Nahversorgung und freien Grünflächen möglichst gut und langfristig entsprechen sollen.
Mag. Peter Engert, Geschäftsführer der ÖGNI, forderte eine erhebliche Beschleunigung der Bauverfahren, denn lange Wartezeiten sind in der aktuellen Zinsphase und unter den volatilen Marktverhältnissen nicht mehr finanzierbar. Gute Fortschritte mache man mit den Gebäudezertifizierungen, die die ÖGNI im Verbund mit einigen anderen europäischen Ländern anbietet. Herausfordernd bleibe weiterhin die Sanierung von Bestandsgebäuden, die in Europa den Großteil der Stadtarchitektur ausmacht. Zusätzlich betonte er die Wichtigkeit von Resilienz im Zusammenhang mit Wohnen im städtischen Raum und notwendige Grünräume sowie klimafitten Wohnraum.
KommR Mag. Michael Gehbauer, Obmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen, betonte die Wichtigkeit nachhaltiger Wertstoffe, wie z.B. Lehm, Schafwolle, Hanf und Holz. Wien habe im internationalen Vergleich zwar viel Angebot im gemeinnützigen Sektor, es gäbe aber noch Luft nach oben. Er forderte daher stärkere Investitionen, leistbare Grundstücke und verlässliche Rahmenbedingungen
Foad Ghaemi, Direktor Wealth Management bei der Alpen Privatbank AG, berichtete, dass Banken mit hohen regulatorischen Vorgaben konfrontiert sind und nur eingeschränkten Handlungsspielraum für Finanzierungen haben. Auch er forderte eine starke Verkürzung bei Genehmigungsverfahren seitens der Politik ein, damit Bauvorhaben schneller und effizienter umgesetzt werden können, bevor die Rahmenbedingungen nachträglich Adaptierungen notwendig machen.
Prok. Ing. Sascha Risavy, Abteilungsleiter Baumanagement beim Österreichischen Siedlungswerk, beleuchtete die technische Seite und betonte die Wichtigkeit, erneuerbare Energie, technische Standards und nachhaltige Baumaterialien als Basis in Planung und Umsetzung mitzudenken, um möglichst hochwertige Objekte gestalten zu können. Auch industrielle Vorfertigung von Bauteilen, um Bauzeiten zu reduzieren, sollten forciert werden. Zusätzlich müsse man beim Co2-Fußabdruck von Gebäuden alle alternativen Möglichkeiten ausnützen, um Kosten und Anhängigkeiten von stark schwankenden Weltmärkten zu reduzieren.
Am Beispiel des Wohnprojekts B.R.I.O. im Quartier Neues Landgut wurde verdeutlicht, wie diese Themen zusammenspielen. Holz-Hybrid-Bauweise, hohe Vorfertigung und ein erneuerbares Energiesystem treffen dort auf Barrierefreiheit, technische Qualität und langfristige Nutzung. NIBRA realisierte die Aufzugsanlagen. Das Beispiel macht die NIBRA-Perspektive konkret: Green Building endet nicht an der Gebäudehülle. Es muss sich im täglichen Betrieb bewähren.
Die Ergebnisse des erstmals eingesetzten NIBRA Zukunftsbarometers, das am Ende der Veranstaltung erstmals zum Einsatz kam, werden gesondert ausgewertet und in die Fortsetzung des Formats einfließen.
Eröffnet wurde der Abend vom Bezirksvorsteher der Donaustadt Ernst Nevrivy. Durch die Diskussion führte Dr. h. c. Wolfgang Renner, MSc.
NIBRA bringt bewusst die Perspektive des langfristigen Gebäudebetriebs ein. Das Wiener Familienunternehmen errichtet, modernisiert und betreut Aufzüge und begleitet damit technische Infrastruktur über viele Jahre im Betrieb. Den Anspruch des Formats fasste Brada so zusammen: „Menschen zusammenzubringen, Gespräche zu führen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam in die Zukunft zu schauen.“ Die Botschaft: Nachhaltigkeit muss sich nicht nur beim Bauen, sondern auch im täglichen Betrieb bewähren.
Fotocredit: Magdalena Sowka-Gruszecka

