Der AI for Good Global Summit, die führende UN-Plattform zu KI, organisiert von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) gemeinsam mit der Schweizer Regierung und über 50 UN-Organisationen, brachte im Palexpo Regierungen, internationale Organisationen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen.
Mit über 1.000 Vortragenden und mehr als 300 Sessions, und erstmals direkt gefolgt vom neuen UN Global Dialogue on AI Governance, war der Summit ein deutliches Signal: Die Frage ist nicht mehr, ob KI unsere Gesellschaften verändert, sondern wie wir diesen Wandel verantwortungsvoll gestalten.
Für uns war die zentrale Erkenntnis eine, die im Kern eine CSR-Erkenntnis ist: KI-Transformation ist kein technisches, sondern ein organisatorisches und kulturelles Projekt. Eine Zahl aus einer Session zum Wandel der Arbeitswelt ist uns besonders in Erinnerung geblieben: Rund 68 Prozent der Erfolgsfaktoren einer KI-Transformation liegen demnach in Kultur und Organisation, nur etwa ein Drittel beim Individuum. Wer KI verantwortungsvoll einführen will, muss also zuerst über Werte, Führung und Zusammenarbeit sprechen, und erst danach über Tools. Bemerkenswert war zugleich eine Lücke: Während alle über die enormen Chancen sprachen, wusste kaum jemand konkret zu sagen, wie mit den Risiken umzugehen ist. Bei der Regulierung schien vielfach die Hoffnung zu herrschen, dass es die jeweils anderen übernehmen. Diese Inkonsistenz ist aus unserer Sicht ein größeres Problem als Regulierung selbst, und genau hier entsteht eine Verantwortungslücke, die Organisationen wie das CSR-Dialogforum füllen: Wo verbindliche Regeln hinterherhinken, braucht es freiwillige Selbstverpflichtung, ethische Standards und Räume für ehrlichen Austausch.
Ein weiterer roter Faden war das Thema Souveränität. Ein CIO einer großen Institution brachte auf einer Konzernbühne auf den Punkt, was viele missionsgetriebene Organisationen bewegt: Kein Technologieanbieter soll vorgeben, wie eine Institution zu funktionieren hat. Organisationen müssen selbst entscheiden können, was sie automatisieren und was bewusst menschlich bleiben soll.
Daraus folgt für uns die eigentliche Aufgabe: KI-Kompetenz und Befähigung, verstanden als Frage sozialer Teilhabe. Wenn kleinere und gemeinnützige Organisationen bei dieser Technologie zurückbleiben, verlieren genau jene an Wirkung, die an den drängendsten gesellschaftlichen Aufgaben arbeiten. Verantwortungsvoller Umgang mit KI heißt daher beides: Risiken ernst nehmen und zugleich niemanden von den Chancen ausschließen. KI ist damit endgültig auch ein CSR-Thema.
Autoren: Benjamin Djezic, BSc, MSc und Neil Nassar, Gründer von alongside (https://work-alongside.com/)